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Rundbrief Nr. 32/16

24.11.2016

Das EQS-Fachgremium Patientensicherheit zeichnet Krankenhäuser für innovative Modelle aus

Sehr geehrte Damen und Herren, 

wir möchten Sie darüber informieren, dass heute zwei Hamburger Krankenhäuser von der Jury des EQS-Fachgremiums Patientensicherheit für wegweisende und bereits verwirklichte Ideen zur Patientensicherheit ausgezeichnet wurden: 

  • das Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf (UKE) für das „Patientenpasswort“ auf der Kinder-Intensivstation,
  • das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf für große Schritte auf dem Weg zum „demenzsensiblen Krankenhaus“.

Zur Bewertung wurden die Bewertungskriterien des Aktionsbündnisses Patientensicherheit genutzt.

Das Patientenpasswort im UKE
Auf der Kinder-Intensivstation des UKE haben die Eltern bereits seit zehn Jahren die Möglichkeit, mit dem medizinischen Personal ein Passwort zu vereinbaren, um Informationen über den Gesundheitszustand ihres Kindes zu erhalten. Wer es kennt, wird informiert. Die Eltern haben es damit selbst in der Hand, zu entscheiden, wer informiert werden darf und wer nicht. Das stärkt die Kommunikation zwischen den Eltern und den medizinischen Mitarbeitern der Station. Das Personal wird somit von der schwierigen Identitätsprüfung bei jedem Anruf entlastet.

Die Jury war von diesem Projekt aus mehreren Gründen überzeugt: 

  • Die Idee ist bestechend einfach und
  • das Projekt ist völlig kostenneutral.
  • Das Patientenpasswort wird seit vielen Jahren im Regelbetrieb genutzt und hat nach Aussage der Mitarbeiter noch nie zu Problemen oder Unsicherheiten geführt.
  • Dieses Verfahren kommt auch bereits auf anderen Stationen des UKE zur Anwendung und wird von Krankenhäusern, nicht nur aus Deutschland, mit Interesse studiert und teilweise auch kopiert.

Die Jury regt an, dieses Verfahren wissenschaftlich evaluieren und publizieren zu lassen. Durch eine Publikation könnte das Interesse weiterer Kliniken für eine Umsetzung des Verfahrens geweckt werden.

Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf:
Demenz ist nicht das Ende der Selbstbestimmung!
Krankenhäuser sind im Klinikalltag mit seinen eng getakteten Abläufen nicht auf die wachsende Anzahl von Menschen mit Demenz eingestellt. Das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf ist auf dem Weg zum „demenzsensiblen Krankenhaus“ und hat mit der Station „D·A·V·I·D“ (Diagnostik, Akuttherapie, Validation, Innere Medizin, Demenz) einen geschützten Ort für akut erkrankte Patienten mit der Nebendiagnose Demenz eingerichtet. Durch ein besonderes Konzept werden Qualität und Sicherheit der Versorgung gestärkt: 

  • Ein besonderes Raumkonzept erleichtert den Patienten die Orientierung.
  • Die Untersuchungen werden im Patientenzimmer durchgeführt.
  • Die Mitarbeitenden werden berufsgruppenübergreifend in Umgang und Kommunikation mit Menschen mit Demenz geschult, künftig als verpflichtender Teil der internen Fortbildung.
  • Geschulte Multiplikatoren können im Stationsalltag aller Fachbereiche beratend hinzugezogen werden.
  • Ein Demenz- und Delir-Screening für Risikopatienten sorgt für bedarfsgerechte Medikation und senkt Komplikationen bei akuter Verwirrtheit.
  • 2017 werden Ergebnisse der Evaluation vorliegen. Schon jetzt ist abzusehen, dass auf der Station „D·A·V·I·D“ weniger Beruhigungsmittel eingesetzt werden.
  • Ein ethischer Handlungsleitfaden „Wahrung der Patientenautonomie in Diagnostik und Therapie“ bietet Mitarbeitern und Angehörigen Orientierung, wie der Wille des Betroffenen ermittelt und ernst genommen werden kann.

Diese Maßnahmen sorgen bei den Patienten für mehr Sicherheit, reduzieren mögliche Komplikationsquellen und senken das Risiko für unerwünschte Ereignisse. Das hohe Engagement der Mitarbeitenden für die Wahrung des Grundrechts auf Selbstbestimmung von Menschen mit Demenz und die gelebte Patientenorientierung haben die Jury besonders beeindruckt.

Die Jury
Die drei Patientenvertreter des Fachgremiums für Patientensicherheit der EQS Hamburg haben die Auszeichnung für Patientensicherheit vorgeschlagen und die Jury gebildet: 

  • Roswitha Kiers (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft)
  • Kerstin Hagemann (Patienten-Initiative e.V.)
  • Christoph Kranich (Verbraucherzentrale Hamburg e.V.)

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Ralf Hohnhold
Leiter der Landesgeschäftsstelle

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